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Samstag, 4. Juli 2009

Finanzmarktmanipulationen: Einige Akteure

Die letzten Wochen bin ich vermehrt auf Texte oder Videos gestoßen, die die Macht der Finanzeliten beschreiben und kritisieren. Die Quellen sind teilweise “seriöse” Massenmedien, teilweise Publikationen, die sich kritisch mit der Etablierung einer Neuen Weltordnung auseinandersetzen und im Allgemeinen als verschwörungstheoretisch angesehen werden. Aber selbst das Handelsblatt hat einen Artikel in der Onlineausgabe veröffentlicht, der sich mit der Verfilzung der US-Regierung mit der Finanzindustrie beschäftigt und darin schreibt:

“Was er [gemeint ist Simon Johnson, einstiger Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds (IWF)] über die Verquickung von Wallstreet und politischen Establishment sagt, klingt unheimlich, ja fast so, als gehe es um ein gruseliges Märchen, das ohnehin nicht wahr ist, weil es sich jemand von Anfang bis Ende ausgedacht hat. Doch dass einige Wall-Street-Oligarchen die Politik in Washington unterwandert haben und massiven Einfluss nehmen auf die Reform des US-Finanzsystems, ist nicht ausgedacht, sondern harte Realität.”

Wenn also selbst das Handelsblatt so etwas ausführt, ist das Grund genug hier einen kleinen Überblick über die Artikel und die darin angesprochenen Akteuren zu geben. Dazu nutze ich detaillierte Muckety Karten, um die Informationen über die Akteure auch visuell zu untersützen.

Die erste Person die das Handelsblatt nennt und auch die obige Grafik eines New York Times Artikels abbildet, der sich mit dem us-amerikanischem Finanzminister Timothy Geithner als Mitglied und Patron des Finanzclubs auseinandersetzt und ist Stephen Friedman.

Stephen Friedman - Goldman Sachs, Aspen Institute, MMC und CFR
Stephen Friedman – Goldman Sachs, Aspen Institute, MMC und CFR u.a.

“Der Vorsitzende der New Yorker Notenbank gab vor kurzem seinen Posten auf, nachdem über Interessenkonflikte des Top-Bankers wegen Beziehungen zur Investmentbank Goldman Sachs berichtet worden war. Die New Yorker Notenbank ist die wichtigste unter den regionalen Notenbanken der USA. Sie spielt bei der Bankenaufsicht und im Kampf gegen die Finanzkrise eine zentrale Rolle. Die Vorwürfe kommen nicht von ungefähr. Friedman war nicht nur Oberkontrolleur der regionalen Notenbank, sondern gleichzeitig auch Aufsichtsrat von Goldman Sachs, die direkt und indirekt massiv von den Staatshilfen enorm profitiert haben. Und Friedman profitierte gleich mit. Er kaufte Aktien des staatlich gestützten Instituts, das er früher einmal geleitet hat, und machte damit Millionengewinne.

Friedman war auch Aufseher, als der ehemalige Finanzminister Hank Paulson – selbst einst Goldman-Sachs-Chef – sein 700-Milliarden-Dollar-Programm im September 2008 absegnen lassen wollte. Das Geld sollte an die Wall-Street-Institute verteilt werden. Ohne feste Regeln oder Kontrolle durch andere staatliche Einrichtungen. Aber mit der Hilfe der New Yorker Fed.

Im selben Monat erhielt Goldman Sachs – nicht zuletzt auf Drängen der New Yorker Fed-die Erlaubnis, den Status von einer Investment- hin zu einer Geschäftsbank zu verändern. Dadurch bekam das Institut Zugang zu den Staatshilfen und-garantien. Lehman Brothers dagegen versuchte den ganzen Sommer 2008 über vergeblich die Genehmigung für diese Umwandlung zu bekommen. Die desaströsen Folgen sind bekannt: Lehman ging pleite und die weltweiten Turbulenzen an den Finanzmärkten nahmen ihren Lauf..”

Noch zu erwähnen ist seine Funktion als Trustee des einflußreichen Think Tanks Brookings Institute und seine Mitgliedschaft in der diskreten Quill and Dagger Verbindung, die als Cornell University’s (bevor er an der Columbia studierte) Äquivalent zu Yale’s Skull and Bones gilt.

Friedman, eingebunden in die republikanische Regierung von George W. Bush, ist allerdings kein Einzelfall. Die Demokraten und ihre neue Regierung unter Barack Obama stehen der Vorgängeradministration in Sachen Verfilzung in nichts nach und der viel gepriesene und erhoffte Wandel (”Change”) fällt in diesem Bereich offenbar aus. So schreibt das Handelsblatt weiter:

robert e. rubin

“Was sich an Finanzexperten in der Obama-Riege tummelt, liest sich wie ein who is who der Finanzelite der USA. Obamas wichtigester Mann ist Finanzminister Timothy Geithner [klick hier, um seine Verbindungen anzuzeigen]. Der Ex-Chef der New Yorker Fed hat die Herkulesaufgabe, das Finanzsystem zu reparieren. Geithners Mentor ist Ex-Finanzminister Robert Rubin, der einst Karriere bei Goldman Sachs machte. Anfang des Jahres gab er seinen Job als Topberater der Citigroup auf. Er war über die enormen Verluste bei der Großbank gestolpert, die ohne Staatsmilliarden nicht mehr am Leben wäre. In Washington ist der Einfluss des 70-Jährigen seither aber eher noch gewachsen. Er fungiert als inoffizieller Berater Obamas und zieht im Hintergrund die Strippen – oder spannt andere dafür ein. Rubins Zöglinge sitzen immerhin an den Schaltstellen der Regierung Obama.

Nicht nur Geithner arbeitete in den 90er Jahren im Finanzministerium unter sein Führung, auch Larry Summers gehört dazu. Er war Stellvertreter und später der Nachfolger von Rubin als Finanzminister in der Clinton-Regierung. Nun ist er Obamas wichtigster Wirtschaftsberater. Auch Summers Unbefangenheit stand zuletzt in Frage. Er galt schon früh als sicherer Kandidat für ein Spitzenamt in der neuen Regierung. Doch seine Wall-Street-Verqickung dürften seine Avancen erheblich ausgebremst haben. Als Summers seine Einnahmen des Jahres 2008 offenlegte, kam heraus, dass er insgesamt 2,7 Millionen Dollar von der Wall Street für Vorträge bekommen hatte. Allein Goldman bezahlte ihm 135.000 Dollar. Für einen eintägigen Besuch. 45.000 Dollar spendete Merrill Lynch für eine Kurzvisite Summers – acht Tage nachdem Obama die Präsidentschaftswahl gewonnen hatte. Dreister geht es kaum. Oder doch?”

Das sei aber allenfalls die Spitze des Eisberges, so zitiert der Handelsblattartikel abschließend Simon Johnson.

Auch Telepolis veröffentlichte jüngst einen Beitrag, der von den üblichen Verdächtigen bei Finanzmarktmanipulationen handelte. Demnach kam die jüngsten Rallye, der einige Merkwürdigkeiten zu Grunde liegen würden, “den großen US-Banken und der Regierung derart gelegen, weswegen viele nicht glauben wollen, dass das ohne Manipulationen abgegangen ist”. Selbst in den populären us-amerikanischen Medien wäre das bereits Thema:

“Offen im US-Börsen-TV diskutiert wird aktuell etwa die Manipulation des S&P 500, die über den Terminmarkt erfolgt sein soll. So berichtete z.B. Dan Schaefer von Schaefer Asset Management am 14. Mai live auf Fox Business: “Seit 7 oder 8 Wochen geht an den Märkten etwas Seltsames vor. (…) Da war eine Kraft im Markt, die ihn oben gehalten und Futures gehandelt hat. Ich beobachte die Futures jeden Tag und jeden Tick und an bestimmten Punkten innerhalb der letzten Wochen, wenn der Markt am einbrechen war, kamen riesige Volumen herein und der Markt schoss wieder nach oben. Das geschieht für gewöhnlich gegen Handelsende. So letzten Freitag, als um 7 Minuten vor vier 100.000 S&P Futures Kontrakte gehandelt wurden und gegen vier noch einmal so viele. Das hob den DOW von minus 18 auf über 44 oder 50 Punkte. Man braucht zehn oder zwanzig Milliarden Dollar um den Markt derart bewegen zu können”, stellt Schaefer fest und fragt “Wer hat so viel Geld?”

Die Antwort folgte auf dem Fuße: Das Plunge Protection Team. Also jene “President’s Working Group on Financial Markets”, die im Frühjahr 1988 nach dem Crash des vorigen Herbst 1987 von Ronald Reagan ins Leben gerufen wurde. Zwar haftete dem Vorwurf der Manipulation lange der Makel der Verschwörungstheorie an, diese wird jedoch nichtsdestrotz regelmäßig in Zeitungen, wie der Washington Post, Agenturen wie Reuters oder Fernsehender wie CNBC ausgebreitet und diskutiert (siehe Videosammlung). Neben den bereits bekannten Geithner, Summers und dem Chef der FED Ben Bernanke, finden sich auch Christina Romer (Vorsitzende des White House Council of Economic Advisors), Michael Dunn (Ausführender Vorsitzender des CFTC), Sheila Bair (Vorsitzende der FDIC), John C. Dugan (Comptroller of the Currency) Mary Shapiro (Vorsitzende der SEC Börsenaufsicht), Gary Gensler (hat mittlerweile Michael Dunn als Vorsitzender des CFTC ersetzt) und der nicht in der Grafik aufgeführte (Federal Housing Finance Agency Director) James Lockhart im PPT.

plungeprotectionteam
Mitglieder des Plunge Protection Teams

Auch ein Artikel aus Augustreview macht mehr eine Gruppe als Einzelpersonen für Marktunregelmäßigkeiten verantwortlich: Die Trilaterale Kommission. So zählt der Verfasser die Wirtschaftsfachleute dieser Organisaton in den US-Regierungen und Weltbank auf und begründet so, das die TK erheblichen Einfluß und Kontrolle über die Prozesse der Globalisierung hat, an der sie ein eigenes Interesse verfolgen würde. Die Finanzkrise wäre keine Folge der Dummheit der Akteure der TK, sondern Ausfluß eines umfangreichen Plans, der u. a. ein Weltwährung bringen soll, die unter maßgeblicher Kontrolle der TK und ihrer Mitglieder stehen soll. Er zitiert einen Beitrag, der die selben verantwortlichen Personen wie der Handelsblattartikel nennt: Die Ex-Finanzminister Robert Rubin und Lawrence Summers. Zusammen mit insbesondere der Großbank JP Morgan Chase und Goldman Sachs hätte Rubin ein Goldkartell gebildet, dass den Goldpreis künstlich niedrig hielte und somit die Zinssätze kontrollieren könne, während gleichzeitig der Goldbesitz monopolisiert würde. Neben den üblichen Verdächtigen Rubin und Summers wird hier noch eine weitere Person genannt: Der ehemalige Direktor des CFR, Absolvent der jesuitischen Fordham University und heutige Goldman Sachs Partner E. Gerald Corrigan. Auch seine Mitgliedschaft im Basler Ausschuss für Bankenaufsicht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), seine enge Freundschaft mit Timothy Geithner und seine Ehe mit Cathy Minehan, ehemalige Präsidenten der Federal Reserve Bank of Boston sollten nicht unerwähnt bleiben. Die New York Times nennt den Protegé von Paul Volcker den Klempner der FED:

Egal wo man hinschaut, es fällt häufig ein Name: Goldman Sachs. Telepolis widmete dieser Bank gleich einen ganzen Artikel, der eine Goldman Verschwörung beschreibt und eine Liste der Goldmanverschwörungen enthält. Auch hier sind die Namen im Wesentlichen diesselben:

“Berichte über derartige Machtstrukturen galten, während diese noch wirkten, zwar zumeist als Verschwörungstheorien, inzwischen ist unter Fachhistorikern aber kaum noch umstritten, dass etwa das “House of Morgan”, die Gruppe um den Finanzier JP. Morgan, die Außen- und die Finanzpolitik der USA von der Jahrhundertwende bis 1933 maßgeblich beherrscht hat, stärker jedenfalls als jeder Präsident. Erst durch den Amtsantritt Roosevelts wurde Morgan von einer Gruppe um den Ölmagnaten und Banker John Rockefeller aus dieser extremen Machtposition verdrängt.

Macht am Markt und an den politischen Schalthebeln

Und da eine solche konspirative Machtübernahme grundsätzlich durch das Platzieren von mit dem Machtzentrum verbundenem Personal in wichtigen politischen Positionen erfolgt, ist Goldman Sachs ohnehin der logische Kandidat. So kam Bushs Finanzminister Hank Paulson ebenso wie Clintons Finanzminister Robert Rubin aus dem Board von Goldman Sachs; Obamas Finanzminister Timothy Geithner konnte sich ebenso zeitlebens der Unterstützung von Goldman sicher sein, während in der EZB der Italiener Mario Dragi [Rechtsschreibfehler im Original], der Chef der Italienischen Notenbank, Goldmans Interessen vertritt, und auch der Präsident der Weltbank, Robert Zoellick, war einst Direktor bei Goldman, die zudem zu den wichtigsten Spendern von Obama zählt. Weiter war John Thain, der aktuelle CEO von Merrill Lynch, einst Goldmans Co-President, ebenso Wachovia-Chef Robert Steel oder Ed Liddy, der neue CEO von AIG. Nicht zu vergesse Neel Kashkari, der im zarten Alter von 35 Jahren den 700 Milliarden Dollar schweren TARP-Fonds managt, der faule Wertpapiere aufkaufen soll, und ebenfalls schon einmal als Vizepräsident bei Goldman Sachs fungiert hatte.”

Zuletzt noch eine besonders illustre Runde die das Wall Street Journal vorstellte: Kappa Beta Phi. Zwar wird hier wenig über dunkle Machenschaften oder Manipulationen, sondern viel mehr über bizarre Feierrituale der Finanzeliten berichtet, aber die Freimaurersymbolik, die Mitglieder und die Geschichte dieses Clubs sind äußerst interessant. Ob es sich hier tatsächlich um Opus Dei’s Finanzdivison für die Ostküste handelt, wie reinhardt behauptet, kann ich nicht sagen. Dass die Familie des Vorsitzenden Alfred E. Smith IV jedoch von je her enge Bande zur katholischen Kirche pflegt, belegt u.a. nebenstehendes Bild auf dem er (links) mit Tony Blair und dem (ehemaligen) New Yorker Cardinal Edward Egan beim 62. jährlichen Alfred E. Smith Memorial Foundation Dinner in New York zu sehen ist. Dass der gute Tony Blair ebenfalls enge Beziehungen zu Opus Dei pflegt, wusste der Guardian jedenfalls bereits 2005.

Alle hier aufgeführten Akteure und Organisationen sind wohl nur die Spitze des Eisberges und wohl nur für die USA einigermaßen aufschlussreich. Für andere Länder wird sich ähnliches finden lassen (in Deutschland könnte man wohl den Anfang bei Jörg Asmussen machen), aber die Bedeutung der USA für die Finanzmärkte gerade auch in der sogenannten Finanzkrise, legt nahe mit der Offenlegung der dortigen Strukturen zu beginnen.



Quelle: http://blogpoliteia.wordpress.com/

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